Interview

Im Gespräch mit Hugo Swinnen, Sozialwissenschaftler aus den Niederlanden und Mitglied im Trägerforum

Im Rahmen des Europäischen Peer Reviews haben Sie sich als Sachverständiger intensiv mit der Arbeit der Bundesstiftung Mutter und Kind auseinandergesetzt. Welche Besonderheit stellt die Bundesstiftung auf internationaler Ebene dar?

Die wichtigste Besonderheit bei der Arbeit dieser Stiftung stellt die Tatsache dar, dass es sich hier um eine zielgerichtete Maßnahme handelt (für eine spezielle Bevölkerungsgruppe in Not), welche die allgemeineren familienunterstützenden Leistungen (z.B. ein einheitliches Kindergeld unabhängig vom Einkommen der Eltern) ergänzt. Viele Studien wurden bereits auf nationaler sowie europäischer Ebene durchgeführt, um die Wirksamkeit und Effizienz sozialpolitischer Strategien zu bewerten. Die meisten von ihnen betonen, dass die leistungsfähigsten Strategien aus gerade dieser Kombination allgemeiner und gezielter Maßnahmen bestehen.

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Im Rahmen des Europäischen Peer Reviews haben Sie sich als Sachverständiger intensiv mit der Arbeit der Bundesstiftung Mutter und Kind auseinandergesetzt. Welche Besonderheit stellt die Bundesstiftung auf internationaler Ebene dar?

Die wichtigste Besonderheit bei der Arbeit dieser Stiftung stellt die Tatsache dar, dass es sich hier um eine zielgerichtete Maßnahme handelt (für eine spezielle Bevölkerungsgruppe in Not), welche die allgemeineren familienunterstützenden Leistungen (z.B. ein einheitliches Kindergeld unabhängig vom Einkommen der Eltern) ergänzt. Viele Studien wurden bereits auf nationaler sowie europäischer Ebene durchgeführt, um die Wirksamkeit und Effizienz sozialpolitischer Strategien zu bewerten. Die meisten von ihnen betonen, dass die leistungsfähigsten Strategien aus gerade dieser Kombination allgemeiner und gezielter Maßnahmen bestehen.

Außerdem unterstützt die Bundesstiftung Mutter und Kind Frauen (und damit auch Familien) in Not bereits vor der Geburt des Kindes, während familienunterstützende Maßnahmen üblicherweise erst dann greifen, wenn das Kind geboren ist. Natürlich mögen in anderen Ländern universellere Maßnahmen zur Unterstützung schwangerer Frauen in Notlagen eingesetzt werden, aber die Art und Weise, wie dies in Deutschland organisiert ist, bietet mehr Möglichkeiten, die finanzielle Unterstützung mit einem umfassenderen, individuellen Beratungs- und Förderansatz zu verbinden.

Wie beurteilen Sie die gesellschaftlichen Herausforderungen und die politische Verantwortung der Bundesstiftung zur Unterstützung schwangerer Frauen und zum Schutz ungeborenen Lebens?

Allgemein gesehen ist Deutschland - wie auch andere europäische Staaten - mit wirtschaftlichen, sozialen und demographischen Entwicklungen konfrontiert, die "moderne" Maßnahmen für Familien und zur Kinderbetreuung erfordern, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern, nämlich durch die Förderung einer größeren Ausgewogenheit bei der Aufteilung elterlicher Aufgaben zwischen Mann und Frau. Dies wird wiederum eine Kombination von jugend- und familienpolitischen Maßnahmen erfordern, eine Verwirklichung der Gleichstellung von Mann und Frau, eine vermehrte Dezentralisierung, Deregulierung und Subsidiarität, um die Effektivität in der Umsetzung sicherzustellen, sowie eine Kombination von gezielten und allgemeinen Maßnahmen.

Wenn die Bundesstiftung für sich beansprucht, einen Beitrag zu solchen Maßnahmen zu leisten (wenn auch nur in bescheidenem Umfang), so muss sie klarstellen, inwieweit sich ihre Tätigkeit auf die soziale Stärkung von Frauen (und ihrer Familienmitglieder) in Notsituationen zu einem ganz entscheidenden Lebenszeitpunkt auswirkt. Mit anderen Worten: haben die Hilfen aus Bundesstiftungsmitteln wirklich eine Art „Sogwirkung“ indem sie als Türöffner zum bestehenden Leistungssystem fungieren, und entsteht dadurch eine wirksame Kombination sozialer, gesundheitlicher, bildungspolitischer und ökonomischer Angebote? Hierüber wird die derzeit laufende Evaluation der Stiftungsarbeit Aufschluss geben.

Die Hilfen der Bundesstiftung richten sich seit ihrer Errichtung 1984 an schwangere Frauen in einer schwierigen Notlage. Was bedeuten die gesellschaftlichen Veränderungen für die Schwangeren, sind ihre Notlagen heute anders geworden und kann die Stiftungsarbeit hier helfen?

Ich bin kein Experte für Familien- und Schwangerschaftsberatung oder psychosoziale Fragen im Bereich Schwangerschaft. Generell hat sich die gesellschaftliche Situation der (schwangeren) Frau in den letzten Jahrzehnten dramatisch verändert. Die soziale und wirtschaftliche Eigenständigkeit der Frau erlangte eine viel größere Bedeutung, sowohl unter emanzipatorischen Aspekten als auch in ökonomischer Hinsicht. Ich erwarte deshalb von der Tätigkeit der Bundesstiftung, dass sie unter dem Gesichtspunkt angemessener Sozialpolitik und sozialer Praxis das "Empowerment" und die Gleichstellung der Frau stärkt. In Deutschland stieg zwischen 1990 und 2010 die Beschäftigungsrate von Frauen zweimal so stark wie die der Männer (liegt jedoch weiterhin viel niedriger). Auch gewinnt die Beteiligung von Männern an Betreuungs- und Haushaltsaufgaben zunehmende Bedeutung, um für beide Geschlechter eine gerechte Aufteilung von (bezahlter) Tätigkeit sowie Privat- und Familienleben zu schaffen. Diese gesellschaftlichen Herausforderungen sollten bei Zielstellung und Arbeitsweise der Bundesstiftung eine Rolle spielen. Hier könnte ihre Funktion als "Türöffnerin" zu einer Kettenreaktion führen, bei der gesundheitliche, psychologische und soziale Belange Hand in Hand gehen mit der Aktivierung zur Teilhabe an Bildung und Arbeitsmarkt.

Sie haben mit Ihrer langjährigen Expertise beim Peer Review entscheidend dazu beigetragen, dass die Arbeit- und Wirkungsweise der Bundesstiftung nun evaluiert wird. Jetzt arbeiten Sie sehr aktiv im Trägerforum mit. Was ist Ihre Motivation bzw. welche Schwerpunkte setzen Sie persönlich in diesem Gremium?

Seit mehr als 30 Jahren bin ich nun in der angewandten Forschung tätig, oft im Bereich sozialpolitischer Entwicklung und deren Bewertung. Auch habe ich an vielen vergleichenden Forschungsprojekten auf europäischer Ebene teilgenommen. Bei meiner Arbeit musste ich nur zu oft erleben, dass sozialpolitische Maßnahmen getroffen werden, ohne für solide Monitoring- und Bewertungsverfahren Vorsorge zu treffen. Änderungen werden häufiger auf Grund von Annahmen beschlossen als auf der Grundlage einer (evidenzbasierten) Ergebnismessung. Die Tätigkeit der Bundesstiftung wird durch die jährliche Sozialdatenstatistik immer gut kontrolliert, was ihre Leistung in Zahlen angeht (z. B. Anzahl der schwangeren Hilfeempfängerinnen, sowie deren Merkmale), und viele Akteurinnen und Akteure haben ihre eigene Deutung der Ergebnisse bezogen auf die Beratungspraxis. Das ist eine gute Grundlage, um die Wirksamkeit der Stiftungstätigkeit gründlicher zu untersuchen.

Meine Motivation bezieht sich auf den Inhalt der Bewertung und ihre Methodik. Was den Inhalt angeht, bin ich sehr daran interessiert zu erfahren, ob (und wie) diese seit langem bestehende finanzielle Förderung von Familien weiterhin eine echte Rolle als Türöffnerin spielt und damit Frauen (und Familien) in Notsituationen wirksame Unterstützung in einem veränderten gesellschaftlichen Kontext ermöglicht. Aber ich bin ebenso daran interessiert zu sehen, ob diese Bewertung zur Entwicklung eines umfassenderen Monitoringsystems beitragen könnte, ohne die Praktikerinnen und Praktiker vor Ort zu sehr zu belasten. Ein solches Monitoringsystem sollte nicht nur die unmittelbaren zahlenmäßigen Ergebnisse der Stiftungshilfen einbeziehen, sondern auch die Art und Weise, in der die Bundesstiftung ihre Zielgruppe erreicht, sowie die indirekten Auswirkungen hinsichtlich der Förderung und Aktivierung der unterstützten Frauen (und Familien).

Diesen Prozess von außen verfolgen zu können bedeutet für mich Luxus. Darüber hinaus gibt es mir als Ausländer die Gelegenheit, bestimmte politische Maßnahmen und Praktiken zu hinterfragen (sowohl in Deutschland als auch in meinem eigenen Land), die von innen gesehen selbstverständlich scheinen, es jedoch nicht notwendigerweise sind. Hoffentlich wird dies die Bewertung der Bundesstiftungsarbeit bereichern, sowie es auch meine Kenntnisse über die Sozialpolitik und soziale Praxis bereichert.

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Interview

Im Gespräch mit Ursula Monheim, Mitglied im Kuratorium der Bundesstiftung und stellvertretende Vorsitzende des donum vitae Bundesverband e.V.

Sie engagieren sich seit einigen Jahren im Kuratorium der Bundesstiftung Mutter und Kind. Was ist Ihre Motivation bzw. welche Schwerpunkte setzen Sie persönlich bei Ihrer Arbeit in diesem Gremium?

In Zeiten, in denen schwangere Frauen und ihre Familien sowohl in der Konflikt- wie auch in der allgemeinen Schwangerenberatung wirtschaftliche Notlagen und Fragen der Existenzsicherung als wichtigste Probleme benennen, muss Beratung flankiert werden durch finanzielle Unterstützung. Nur so kann sie vermitteln, dass sie die individuelle Notlage der Ratsuchenden versteht und ernst nimmt und ihr zugleich Perspektiven für ein Leben mit dem Kind eröffnet. Eine solche Beratung wird durch die Mittel der Bundesstiftung ermöglicht. Darum ist es mein Anliegen, dass diese finanziellen Hilfen auch in Zukunft gesichert bleiben, zwischen den Bundesländern gerecht verteilt werden und zielgenau und möglichst unbürokratisch vor Ort eingesetzt werden können.

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Sie engagieren sich seit einigen Jahren im Kuratorium der Bundesstiftung Mutter und Kind. Was ist Ihre Motivation bzw. welche Schwerpunkte setzen Sie persönlich bei Ihrer Arbeit in diesem Gremium? 

In Zeiten, in denen schwangere Frauen und ihre Familien sowohl in der Konflikt- wie auch in der allgemeinen Schwangerenberatung wirtschaftliche Notlagen und Fragen der Existenzsicherung als wichtigste Probleme benennen, muss Beratung flankiert werden durch finanzielle Unterstützung. Nur so kann sie vermitteln, dass sie die individuelle Notlage der Ratsuchenden versteht und ernst nimmt und ihr zugleich Perspektiven für ein Leben mit dem Kind eröffnet. Eine solche Beratung wird durch die Mittel der Bundesstiftung ermöglicht. Darum ist es mein Anliegen, dass diese finanziellen Hilfen auch in Zukunft gesichert bleiben, zwischen den Bundesländern gerecht verteilt werden und zielgenau und möglichst unbürokratisch vor Ort eingesetzt werden können.

Die Hilfen der Bundesstiftung richten sich seit ihrer Errichtung 1984 an schwangere Frauen in einer schwierigen Notlage. Was bedeuten die gesellschaftlichen Veränderungen für die Schwangeren, sind ihre Notlagen heute komplexer geworden?

Wir wissen aus der Beratungsarbeit, dass die individuellen Notlagen schwangerer Frauen und Familien in den vergangenen Jahren vielschichtiger geworden sind. Das liegt zum einen, um einige Stichworte zu nennen, an den geänderten Regelungen zum Elterngeld, an einer insgesamt sehr komplexen Sozialgesetzgebung und an häufig nicht eindeutigen Zuständigkeiten. Zum anderen zeigt sich auch auf Seiten der Ratsuchenden eine Zunahme psychischer Erkrankungen, oft als Folge von Existenzangst, ausgelöst durch befristete Arbeitsverträge, Mini-Jobs, Arbeitslosigkeit, sowie Überforderung und Perspektivlosigkeit. In solchen Problemlagen hat es sich bewährt, die Frauen weiter begleiten zu können.

Wie beurteilen Sie die gesellschaftlichen Herausforderungen und die politische Verantwortung der Bundesstiftung zur Unterstützung schwangerer Frauen und zum Schutz ungeborenen Lebens?

Die Zielsetzung der Stiftung ist durch ergänzende finanzielle Hilfen die Notlage schwangerer Frauen zu lindern, "um ihnen die Fortsetzung der Schwangerschaft zu erleichtern". In dieser doppelten Anwaltschaft für Mutter und Kind sehe ich den wichtigen gesellschaftlichen und politischen Auftrag der Stiftung.

Die Bundesstiftung spricht davon, mit den Stiftungsleistungen werdenden Müttern Türen in das System präventiver, früher Hilfen zu öffnen. Wie sehen Sie diese Rolle der „Türöffnerfunktion“ und die Hilfen im Zusammenhang mit der Gewährung von Mitteln der Bundesstiftung?

Aufgrund ihres umfassenden Auftrags sind die Beratungsstellen gut vernetzt und ein wichtiger Baustein in der Beratungsstruktur vor Ort. Der niedrigschwellige Zugang und die Vergabe der Bundesstiftungsmittel schafft die Basis für ein Vertrauensverhältnis, das die Annahme weiterer Hilfen zulässt. Diese Chance muss weiterhin offensiv genutzt werden; hier ist die ursprüngliche Zielsetzung der Bundesstiftung, durch ergänzende Hilfen die Fortsetzung der Schwangerschaft zu erleichtern, nach wie vor zentral wichtig und darf nicht an Bedeutung verlieren.

In Deutschland gibt es rund 1.500 Schwangerenberatungsstellen, die die Anträge auf Stiftungsmittel entgegennehmen. Was ist nach Ihrer Meinung wichtig, um die Arbeit der Beratungsfachkräfte zu stärken?

Die Anträge auf Stiftungsmittel und die Verwaltung der Gelder sind mit einem je nach Bundesland unterschiedlich hohen Verwaltungsaufwand verbunden. Es wäre gut, die Beratungskräfte hierbei, aber auch insgesamt mehr zu entlasten. Hilfreich könnte zudem sein, bundeseinheitliche Vergaberegelungen zu treffen. Zudem sollte die Förderung möglicher Kooperationen zwischen Jobcentern und Beratungsstellen, die von der Bundesstiftung bereits angeregt wurde, weiter gestärkt werden, um den Schwangeren und ihren Familien einen besseren Zugang zu den Leistungen zu gewährleisten.

Im Bereich Ihres Bundesverbandes sind Sie seit vielen Jahren verantwortlich tätig. Welches sind aus Ihrer Sicht die besonderen Probleme der Schwangerschaftsberatungsstellen vor?

Die Anzahl der Beratungen nehmen aufgrund der Vielschichtigkeit der Notlagen und der komplexeren Sozialgesetzgebung und oft nicht eindeutigen Zuständigkeiten zu. Das bedeutet, dass die einzelnen Beratungen aufwändiger sind und mehr Zeit in Anspruch nehmen. Im Kontext der Aufgaben zu Pränataldiagnostik und bei Frühen Hilfen nehmen Aufbau und Pflege des Netzwerks zu. Der knappe Beratungsschlüssel wird der veränderten Arbeitssituation in den Schwangerenberatungsstellen nicht mehr gerecht, unabhängig von der Region. Die Last tragen die Fachkräfte, die die Beratung und Begleitung im individuell notwendigen Maß kaum noch leisten können. Wir müssen darauf achten, dass wir in unserem - in Europa einmaligen Schwangerenberatungssystem – die umfangreiche, individuell ausgerichtete Beratungsleistung auch zukünftig gewährleisten können.

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Interview

Im Gespräch mit Marlies Kuhl, Stiftung Hilfe für Familien in Not

 

Die Bundesstiftung „Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens“ wendet sich besonders an schwangere Frauen in einer Notlage und unterstützt jährlich ca. 150.000 werdende Mütter. Wie beurteilen Sie heute diese gesellschaftliche und politische Herausforderung?

Eine Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes sind tiefgreifende Ereignisse im Leben einer Frau und einer Familie, die zahlreiche Veränderungen mit sich bringen. Gleichzeitig können damit einhergehende finanzielle Lasten zu Zukunftsängsten, psychosozialen Belastungen und finanziellen Nöten führen. Dann braucht die Schwangere schnelle, kompetente und unbürokratische Hilfe. Hier liegt der wichtige Auftrag der Bundesstiftung – schwangere Frauen durch ergänzende finanzielle Hilfen zu unterstützen und ihnen damit die „Fortsetzung der Schwangerschaft zu erleichtern“.

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Die Bundesstiftung „Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens“ wendet sich besonders an schwangere Frauen in einer Notlage und unterstützt jährlich ca. 150.000 werdende Mütter. Wie beurteilen Sie heute diese gesellschaftliche und politische Herausforderung?

Eine Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes sind tiefgreifende Ereignisse im Leben einer Frau und einer Familie, die zahlreiche Veränderungen mit sich bringen. Gleichzeitig können damit einhergehende finanzielle Lasten zu Zukunftsängsten, psychosozialen Belastungen und finanziellen Nöten führen. Dann braucht die Schwangere schnelle, kompetente und unbürokratische Hilfe. Hier liegt der wichtige Auftrag der Bundesstiftung – schwangere Frauen durch ergänzende finanzielle Hilfen zu unterstützen und ihnen damit die „Fortsetzung der Schwangerschaft zu erleichtern“.

Allein die Zahlen sprechen für sich. Seit Bestehen unserer Landesstiftung „Hilfe für Familien in Not“ in Brandenburg konnten wir 120.994 Schwangeren mit 66,1 Millionen Euro aus Mitteln der Bundesstiftung helfen. Nach wie vor ist die Bundesstiftung ein wichtiger Bestandteil der sozialen Hilfemöglichkeiten, nicht nur im Land Brandenburg, sondern bundesweit.

Im Bereich Ihres Bundeslandes sind Sie seit 1992 verantwortlich für die Bewilligung von Stiftungsmitteln. Welches sind aus Ihrer Sicht die besonderen Probleme der Schwangerschaftsberatungsstellen vor Ort?

In den vergangenen Jahren sind die Notlagen schwangerer Frauen komplexer geworden, was zur Folge hat, dass die Beratungen begleitender, vernetzter und vor allem fachlich anspruchsvoller werden. Die Beratungskräfte geben den Ratsuchenden nicht nur alle wichtigen Informationen, die sie in die Lage versetzen, verantwortungsbewusst ihre Entscheidungen zu treffen. Sie unterstützen darüber hinaus in psychosozialen Notlagen und helfen in ihrer „Funktion“ als sozialrechtliche Ratgebende den Frauen und Familien ihre rechtlichen Ansprüche geltend zu machen.

Neben diesem weitgespannten Aufgabenfeld, stellt die komplexe und sich ständig ändernde soziale Gesetzgebung eine große Herausforderung dar. In dem Kontext gewährleisten die hochqualifizierten und motivierten Beraterinnen und Berater eine umfangreiche und individuell ausgerichtete Beratungsleistung. Sie stehen Schwangeren und Familien vertrauensvoll, fachlich kompetent zur Seite.

Welche Bedeutung haben die regelmäßig vorhandenen Bundesstiftungshilfen für die Arbeit der Landesstiftung und die Unterstützung für schwangere Frauen und deren Familien in Brandenburg?

Die brandenburgische Stiftung „Hilfe für Familien in Not“ ist über die Jahre fester Bestandteil des Hilfesystems für Schwangere und Familien in unserem Bundesland geworden. Die Notwendigkeit der jährlich aus der Bundesstiftung zugewiesenen Mittel lässt sich anschaulich anhand von Zahlen verdeutlichen. Allein in Brandenburg erhielten im letzten Jahr 6.141 werdende Mütter ergänzende finanzielle Hilfen aus Bundesstiftungsmitteln. Der Anteil beträgt zirka 34 Prozent und liegt damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von rund 20 Prozent. Im laufenden Jahr 2013 konnte bereits bis Mai mit Bundesstiftungshilfen über 2.600 Schwangere im Land Brandenburg unterstützt werden.

Darüber hinaus besteht aufgrund unserer brandenburgischen Besonderheit die Möglichkeit, wenn die Mutter erst nach der Geburt ihres Kindes von den Stiftungshilfen erfährt - und aus der Bundesstiftung deshalb keine Unterstützung mehr gewährt werden kann - über die weiteren Mittel der Landesstiftung eine finanzielle Hilfe zu erhalten. Im Jahr 2012 betrug der Anteil dieser finanziellen Leistungen für ergänzende Babyerstausstattung u. a. über 5,7 Prozent.

Die Bundesstiftung spricht davon, mit den Stiftungsmitteln werdenden Müttern Türen in das System präventiver, früher Hilfen zu öffnen. Wie sehen Sie die Rolle der „Türöffnerfunktion“ in Ihrem Arbeitszusammenhang?

Die gut vernetzten Schwangerschaftsberatungsstellen sind ein wesentlicher Baustein des bestehenden sozialen Hilfesystems im Land. Daneben haben sich in den letzten Jahren im Kontext des Systems der präventiven, frühen Hilfe weitere Netzwerke und Bündnisse gebildet, in denen Familien noch andere Unterstützung erhalten und die eine sinnvolle Ergänzung sind. Die Vermittlung in diese „frühe Hilfe“ Strukturen wird meist erst durch die Beratung im Zusammenhang mit einer Antragstellung auf Stiftungsmittel erkennbar und möglich.

Denn der Anreiz, ergänzende finanzielle Unterstützung von der Bundesstiftung zu erhalten, führt oft genau die Frauen in eine Schwangerschaftsberatungsstelle, die sonst nicht von ihrem Recht auf Beratung nach dem Schwangeren- und Familienhilfeänderungsgesetz Gebrauch machen würden. Über die Möglichkeit der finanziellen Unterstützung hinaus, umfasst das vertrauliche Beratungsgespräch die gesamte Lebenssituation der Ratsuchenden, so dass auf dieser Grundlage weitergehende Hinweise über Unterstützungsleistungen vermittelt und diese „Türen geöffnet“ werden können.

Ein Beispiel für die Türöffnerfunktion im Land Brandenburg ist die hier praktizierte Vernetzung und das Zusammenwirken mit den Hebammen, den Frauenärztinnen und –ärzten einerseits und den Schwangerschaftsberatungsstellen andererseits als wichtige Voraussetzung für individuelle Betreuung und Förderungen der Schwangeren. So konnte ich zum Beispiel anschaulich über die Hilfsmöglichkeiten von Bundesstiftung und Landesstiftung auf der Landestagung des Hebammenverbandes Brandenburg e.V. im vergangenen Jahr und in diesem Jahr auf dem 19. Brandenburgischen Gynäkologentag berichten.

Die Stiftung „Hilfe für Familien in Not“ des Landes Brandenburg gewährt über den Zweck der Bundesstiftung hinaus noch weitere finanzielle Unterstützung für notleidende Familien. Bitte beschreiben Sie den daraus resultierenden Nutzen des Zusammenwirkens.

Die komplexen Lebenssituationen der Ratsuchenden machen je nach Einzelfall nicht nur eine finanzielle Unterstützung mit Bundesstiftungsmitteln möglich, sondern erfordern auch weitergehende Unterstützung durch die Landesstiftung, um umfassend zu helfen und die Not zu lindern. Als die brandenburgische Stiftung auf Initiative von Regine Hildebrandt gegründet wurde, ging man vor allem von Notfällen durch Arbeitslosigkeit im Zuge der Wende aus. In dieser Zeit standen die Menschen einer völlig veränderten Lebenssituation gegenüber. Von den Problemen der tiefgreifenden Umstrukturierung des Gesellschafts-, Wirtschafts- und Sozialsystems waren besonders Familien mit Kindern und alleinerziehende Mütter und Väter betroffen. Viele wurden aus der gewohnten Bahn geworfen und kamen an die Grenze ihrer Existenzmöglichkeit. Es hat sich seither gezeigt, dass Ziel und Zweck der Stiftung nach wie vor sehr wichtig sind. Die Ursachen für materielle Notlagen haben sich gewandelt, z. B. gibt es heute einen recht hohen Prozentsatz an Langzeitarbeitslosen mit geringer Perspektive auf Arbeit, so dass die Stiftung hier den Familien helfen kann, wenn gesetzliche Maßnahmen nicht mehr greifen.

Unter den familiären Notlagen, die so vielfältig wie das Leben sind, müssen vor allem die Kinder leiden. Da geht es um Bildungsangebote oder Ferienfreizeiten, auch in Krankheitsfällen oder bei der Betreuung behinderter Kinder ist mitunter eine besondere Unterstützung nötig. Mit Hilfe der Landesstiftung ist es dann möglich, Kinderbekleidung und Kindermobiliar bereitzustellen, Stromabschaltungen zu verhindern, drohende Obdachlosigkeit zu vermeiden, aber auch bei therapeutischen Maßnahmen und Ausbildung zu unterstützen. Unser Hauptanliegen der Stiftung ist es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Gemeinsam mit der Bundesstiftung und unserer Landesstiftung stützen wir eine wichtigste Säule unserer Gesellschaft: die Familie. Sie vermittelt Schutz, Geborgenheit, macht Mut und gibt Vertrauen und bietet Möglichkeiten der Entfaltung und Entwicklung. Die Unterstützung von junger Elternschaft und Familien ist eine gute Investition und gehört in den Mittelpunkt der Politik.

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Interview

Im Gespräch mit Frank Winckler, Mitglied im Kuratorium

Die Bundesstiftung wendet sich besonders an schwangere Frauen in einer Notlage und unterstützt jährlich ca. 150.000 werdende Mütter in finanzieller Not. Wie beurteilen Sie heute diese gesellschaftliche und politische Herausforderung?

In Sachsen-Anhalt wurden im Jahr 2010 17.300 Kinder geboren. 6.258 Schwangere wurden durch ergänzende Hilfen aus Mitteln der Bundesstiftung unterstützt. Dies bedeutet, dass ca. 36% aller werdenden Mütter einer Unterstützung bedurften. Bundesweit lag der Anteil derer bei ca. 21%. Allein diese Kurzstatistik belegt, wie notwendig die flankierenden Hilfen der Bundesstiftung auch heute noch sind. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass es immer wieder Problemsituationen geben wird, wo die Maschen der Sozialgesetzgebung zu groß sind und unter anderem mit Hilfen der Bundesstiftung aufgefangen werden können.

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Die Bundesstiftung wendet sich besonders an schwangere Frauen in einer Notlage und unterstützt jährlich ca. 150.000 werdende Mütter in finanzieller Not. Wie beurteilen Sie heute diese gesellschaftliche und politische Herausforderung?

In Sachsen-Anhalt wurden im Jahr 2010 17.300 Kinder geboren. 6.258 Schwangere wurden durch ergänzende Hilfen aus Mitteln der Bundesstiftung unterstützt. Dies bedeutet, dass ca. 36% aller werdenden Mütter einer Unterstützung bedurften. Bundesweit lag der Anteil derer bei ca. 21%. Allein diese Kurzstatistik belegt, wie notwendig die flankierenden Hilfen der Bundesstiftung auch heute noch sind. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass es immer wieder Problemsituationen geben wird, wo die Maschen der Sozialgesetzgebung zu groß sind und unter anderem mit Hilfen der Bundesstiftung aufgefangen werden können.

Außerdem unterstützt die Bundesstiftung Mutter und Kind Frauen (und damit auch Familien) in Not bereits vor der Geburt des Kindes, während familienunterstützende Maßnahmen üblicherweise erst dann greifen, wenn das Kind geboren ist. Natürlich mögen in anderen Ländern universellere Maßnahmen zur Unterstützung schwangerer Frauen in Notlagen eingesetzt werden, aber die Art und Weise, wie dies in Deutschland organisiert ist, bietet mehr Möglichkeiten, die finanzielle Unterstützung mit einem umfassenderen, individuellen Beratungs- und Förderansatz zu verbinden.

Im Bereich Ihres Bundeslandes sind Sie auch seit vielen Jahren verantwortlich tätig für die Bewilligung von Stiftungsmitteln. Welches sind aus Ihrer Sicht die besonderen Probleme der Schwangerschaftsberatungsstellen vor Ort?

Die Fachkräfte in den Beratungsstellen werden zunehmend mit komplexen Problemlagen schwangerer Frauen konfrontiert. Um ihren Beratungsauftrag gemäß Schwangeren- und Familienhilfegesetz ganzheitlich umsetzen zu können, erfordert es neben fachlich fundierter Beratung oftmals auch einen hohen zeitlichen Aufwand aufgrund des vielfältigen Unterstützungsbedarfs in Bezug auf andere soziale Leistungsansprüche. Mit der Einführung des SGB II nahmen auch in Sachsen-Anhalt die Fallzahlen zu, in denen Frauen Schwierigkeiten haben, ihre sozialgesetzlich zustehenden Leistungen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt zu erhalten. Die teils restriktive Auslegung der gesetzlichen Vorschriften erschwert den Beratungsfachkräften die Arbeit, häufig müssen sie die betroffenen Frauen intensiv bei Widersprüchen, Überprüfungsanträgen und auch Klagen gegen unrechtmäßige Entscheidungen der Leistungsträger unterstützen. Dies kostet viel Zeit, die eigentlich für die Kernaufgaben der Schwangerschaftsberatung eingesetzt werden müsste.

Welche Funktionen erfüllt die Bundesstiftung über die finanziellen Hilfen hinaus? 

Durch die Notwendigkeit, einen Antrag auf finanzielle Unterstützung aus Mitteln der Bundesstiftung ausschließlich über eine Beratungsstelle einreichen zu können, überwinden viele Schwangere – und zunehmend auch werdende Väter – ihre eventuell vorhandene Hemmschwelle, über weitere Probleme im Zusammenhang mit der Schwangerschaft oder auch im alltäglichen Leben zu sprechen. Die Beratungsfachkräfte nutzen diese Möglichkeit, über bestehende Hilfsangebote zu informieren und ggf. auch vermittelnd in die bestehenden lokalen Netzwerke zu wirken. So wird zum Beispiel über die vom Land Sachsen-Anhalt seit dem Jahr 2006 geförderte Unterstützung durch Familienhebammen hingewiesen. Diese können bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres jungen Müttern und Vätern beim Start in die Elternschaft helfen und ihre Erziehungskompetenz stärken. Diese wichtige Verknüpfung und Vernetzung von Hilfeangeboten gelingt gerade in der vertrauensvollen Schwangerschaftsberatung besonders gut.

Die Stiftung „Familie in Not - Sachsen-Anhalt“ gewährt über den Zweck der Bundesstiftung hinaus auch Familien in Not finanzielle Mittel. Können Sie aus Ihrer persönlichen Erfahrung ein Beispiel für die erfolgreiche Unterstützung von jungen Müttern und Familien nennen?

Durch besondere Lebensumstände und unvorhergesehene Ereignisse kommen allein Erziehende und Familien oftmals in schwierige Situationen, die sie selbst oder mangels gesetzlich nicht mehr vorgesehener Hilfen nicht bewältigen können. Oftmals sind die Kinder besonders betroffen. Hier kann die Stiftung „Familie in Not- Sachsen-Anhalt“ individuelle Unterstützungsmöglichkeiten anbieten. Dabei sind es nicht die relativ geringen Geldbeträge, sondern die individuelle Beratung und das konkrete Hilfeangebot, das die Betroffenen mit ihren Sorgen und Ängsten nicht alleine lässt. So konnten wir beispielhaft einer Familie beim behindertengerechten Umbau der Küche behilflich sein, als die Frau in Folge eines Unfalls auf einen Rollstuhl angewiesen war. Einem gehörlosen Kind haben wir durch die Unterstützung bei der Anschaffung einer speziellen Computersoftware die Fortsetzung der schulischen Ausbildung ermöglicht.

Sie arbeiten intensiv im Trägerforum zur Evaluation der Bundesstiftung mit. Was erhoffen Sie sich daraus für die künftige Weiterentwicklung der Stiftungsarbeit?

Zunächst ist es für unsere Arbeit wichtig, dass es keine Vereinheitlichung der Vergabepraxis bei den Hilfen der Bundesstiftung gibt, sondern dass die länderspezifischen Besonderheiten weiterhin berücksichtigt werden können. Stiftungsarbeit, so wie ich sie verstehe erfordert ausreichenden Handlungsspielraum für individuelle, am Einzelfall orientierte Hilfen, der nur durch eigenverantwortliche Praxisarbeit vor Ort möglich ist. Wünschenswert wäre, wenn im Zuge der Evaluation für die Dauerproblematik der Nachrangigkeit der Stiftungsmittel im Verhältnis zu denLeistungsansprüchen gemäß SGB II / XII Lösungsvorschläge für unseren Beratungszusammenhang rund um Schwangerschaft und Geburt eines Kindes entwickelt werden. Hieraus ergäben sich für die Vergabe der Bundesstiftungsmittel deutlich verbesserte Rahmenbedingungen und einwesentlich effizienterer Einsatz der Hilfeleistungen im Einzelfall.

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Interview

Im Gespräch mit Dr. Susanne Diemer, Mitglied des Stiftungsrates

In Deutschland gibt es rund 1.500 Schwangerschaftsberatungsstellen. Welche Rolle spielt die „Bundesstiftung Mutter und Kind“?

Die Länder stellen mit der Förderung der Schwangerenberatungsstellen ein organisatorisches Netz zur Verfügung, das die zentrale Voraussetzung dafür ist, die Mittel der Bundesstiftung „Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens“ gemäß ihren Zielen einzusetzen und die Schwangeren zu erreichen. Innerhalb des umfassenden Beratungsauftrages, den die Schwangerenberatungsstellen haben und aus meiner Sicht in hervorragender Qualität erfüllen, spielt die Bundesstiftung eine wichtige Rolle. Die Bedeutung, die die strukturelle Verknüpfung von finanzieller Unterstützung, psychosozialer Beratung und weitergehender Hilfestellung hat, ist, wie die Berichte der Beratungsstellen immer wieder zeigen, nicht zu unterschätzen. Die finanzielle Unterstützung der Schwangeren durch Stiftungsleistungen entfaltet ihren Sinn und ihre Bedeutung insbesondere durch die Einbindung in das Beratungskonzept nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz.

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In Deutschland gibt es rund 1.500 Schwangerschaftsberatungsstellen. Welche Rolle spielt die „Bundesstiftung Mutter und Kind“?

Die Länder stellen mit der Förderung der Schwangerenberatungsstellen ein organisatorisches Netz zur Verfügung, das die zentrale Voraussetzung dafür ist, die Mittel der Bundesstiftung „Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens“ gemäß ihren Zielen einzusetzen und die Schwangeren zu erreichen. Innerhalb des umfassenden Beratungsauftrages, den die Schwangerenberatungsstellen haben und aus meiner Sicht in hervorragender Qualität erfüllen, spielt die Bundesstiftung eine wichtige Rolle. Die Bedeutung, die die strukturelle Verknüpfung von finanzieller Unterstützung, psychosozialer Beratung und weitergehender Hilfestellung hat, ist, wie die Berichte der Beratungsstellen immer wieder zeigen, nicht zu unterschätzen. Die finanzielle Unterstützung der Schwangeren durch Stiftungsleistungen entfaltet ihren Sinn und ihre Bedeutung insbesondere durch die Einbindung in das Beratungskonzept nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz.

Worin liegt aus Ihrer Sicht die gesellschaftliche Verantwortung der Bundesstiftung?

Die gesellschaftliche Verantwortung der Stiftung zeigt sich in der Zielsetzung. Diese besteht darin, Frauen in einer schwierigen Situation konkret zu unterstützen. Das Signal an die betroffenen Frauen ist: Wir nehmen die Notlage nicht nur wahr, sondern stehen mit finanzieller Unterstützung und einem Beratungsangebot zur Seite. Dabei ist unbedingt dafür Sorge zu tragen, dass Stiftungsleistungen nicht als vermeintlicher Ersatz für staatliche Transferleistungen gesehen werden, auf die ein Rechtsanspruch besteht. Insofern hat die Stiftung auch eine Verantwortung, Frauen darin zu unterstützen, dass sie von den ihnen zustehenden Leistungen und Rechten innerhalb des Sozialleistungssystems Gebrauch machen. Den Fachkräften in den Schwangerenberatungsstellen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. So manche Frau, die Stiftungsleistungen beantragen möchte, wird darüber hinaus erfolgreich dabei unterstützt, Rechtsansprüche auf soziale Leistungen geltend zu machen. Auch dies ist ein wichtiger Aspekt der Stiftungstätigkeit.

Die Bundesstiftung spricht davon, mit den Stiftungsgeldern den werdenden Müttern Türen in die Strukturen der Frühen Hilfen zu öffnen. Wie wird die Bundesstiftung dieser „Türöffnerfunktion“ gerecht?

Ob und wie die Bundesstiftung dem Anspruch einer „Türöffnerfunktion“ im System der Frühen Hilfen vor Ort gerecht werden kann, hängt direkt zusammen mit der Frage, auf welche Beratungsstrukturen die Bundesstiftung zurückgreifen kann und wie die Fachkräfte in den Schwangerenberatungsstellen ihren gesetzlichen Beratungsauftrag in der täglichen Praxis umsetzen. Die Schwangerenberatungsstellen gewinnen im System der Frühen Hilfen eine immer größere Bedeutung und sind ein sehr wichtiger Baustein in der Beratungsstruktur vor Ort. Nach meiner Erfahrung arbeiten in den Schwangerenberatungsstellen hoch motivierte und fachlich hervorragend qualifizierte Fachkräfte, denen es gelingt, Schwangeren in Notlagen individuelle, weiterführende Hilfen aufzuzeigen und sie während der Schwangerschaft und darüber hinaus zu begleiten. Auch hier gilt: Nur im Zusammenspiel zwischen Bundesstiftung und Schwangerenberatungsstellen kann es gelingen, die wichtige Aufgabe der Bundesstiftung als „Türöffnerin“ einzunehmen und auf fachlich hohem Niveau zu verwirklichen.

Die Bundesstiftung wendet sich besonders an schwangere Frauen. Wie beurteilen Sie die Herausforderung, Väter stärker und früher anzusprechen?

Nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz haben ohnehin Frauen und Männer einen Anspruch auf Beratung. Selbstverständlich arbeiten die Beratungsstellen daran, dass Frauen und Männer angesprochen werden. Es ist schließlich bekannt, dass mit jeder Geburt eines Kindes nicht nur eine Frau Mutter, sondern auch ein Mann Vater wird. Für die Bundesstiftungsleistungen gilt jedoch, dass es von der Zweckbestimmung her keine Leistungen an Elternpaare sind, sondern tatsächlich Leistungen an die Schwangere, um den Bedarf für sich und das Kind abzudecken. Dagegen kann nichts eingewendet werden, denn beides ist ja auch im Interesse der werdenden Väter.

Aus welchen Beweggründen haben Sie sich in der Bundesstiftung Mutter und Kind für Schwangere in Not engagiert?

Im Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren des Landes Baden-Württemberg bin ich unter anderem zuständig für die Landesstiftung „Familie in Not“, die Bundesstiftung „Mutter und Kind“, das Schwangerschaftskonfliktgesetz und die Schwangerenberatungsstellen in Baden-Württemberg. Vor diesem Hintergrund hat die Arbeit für die Bundesstiftung und insbesondere die Verknüpfung der Themengebiete eine fachlich große Bedeutung.

Welche Schwerpunkte haben Sie persönlich bei Ihrer Arbeit im Stiftungsrat gesetzt?

Wichtig finde ich, dass wir im Rahmen des Stiftungserrichtungsgesetzes und der Vergaberichtlinien dafür Sorge tragen, die unterschiedlichen Vergabepraktiken in den Bundesländern in ihrer Vielfalt aufrechtzuerhalten. Es gilt, die spezifischen Erfahrungen der Schwangerenberatungsstellen vor Ort ernst zu nehmen und diese Rückmeldungen in der Vergabepraxis umzusetzen. Dies führt zu einer föderalen Vielfalt, die ich sehr sinnvoll finde.

Können Sie aus Ihrem persönlichen Engagement und Mitwirken ein Beispiel für die erfolgreiche Arbeit der Bundesstiftung bzw. der Landeseinrichtungen schildern?

Als Erfolg sehe ich, dass die Kommunikation zwischen Schwangerenberatungsstellen, den jeweiligen Landesstiftungen und der Bundesstiftung gelingt und dazu beitragen kann, dass die Bundesstiftung sich ständig weiterentwickelt.

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Interview

Im Gespräch mit Dr. Hermann Kues, Kuratoriumsvorsitzenden

 

Sie wurden in diesem Jahr zum zweiten Mal zum Kuratoriumsvorsitzenden gewählt. Was bedeutet Ihnen persönlich die Arbeit der Bundesstiftung Mutter und Kind?

Es gibt eine gewisse Tradition, dass die Parlamentarische Staatssekretärin oder der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium sich im Vorsitz des Kuratoriums engagiert. Ich habe diese Aufgabe 2007 sehr gerne übernommen, denn die Arbeit der Stiftung, Frauen in prekären Lagen während einer Schwangerschaft unbürokratisch zu helfen, ist unverzichtbar. Jetzt freue ich mich auf die zweite Amtszeit - es gibt noch viel zu tun!

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Sie wurden in diesem Jahr zum zweiten Mal zum Kuratoriumsvorsitzenden gewählt. Was bedeutet Ihnen persönlich die Arbeit der Bundesstiftung Mutter und Kind?

Es gibt eine gewisse Tradition, dass die Parlamentarische Staatssekretärin oder der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium sich im Vorsitz des Kuratoriums engagiert. Ich habe diese Aufgabe 2007 sehr gerne übernommen, denn die Arbeit der Stiftung, Frauen in prekären Lagen während einer Schwangerschaft unbürokratisch zu helfen, ist unverzichtbar. Jetzt freue ich mich auf die zweite Amtszeit - es gibt noch viel zu tun!

Worin liegt die gesellschaftliche Verantwortung der Bundesstiftung?

Gerade zu Beginn einer Schwangerschaft können finanzielle Notlagen Angst und Sorgen auslösen. Die zugrunde liegenden Probleme haben oft auch strukturelle Ursachen. Damit dürfen Staat und Gesellschaft die werdenden Mütter nicht alleine lassen. Schnelle und unbürokratische finanzielle Unterstützung für schwangere Frauen in besonderen Notlagen ist – wie der Name der Stiftung richtig sagt – wichtig für Mutter und Kind. Kindern erleichtert die Stiftung einen guten Start ins Leben, Müttern hilft sie in einer wirklich weichenstellenden Übergangsphase ihres Lebens. So werden Risiken minimiert, für Mütter und Kinder.

Welche Funktionen erfüllt die Bundesstiftung über die finanziellen Leistungen hinaus?

Mit ihren finanziellen Leistungen erleichtert die Bundesstiftung nicht nur den Start in die Elternschaft, sondern sie wirkt auch als Türöffnerin hinein in die Schwangerschaftsberatungsstelle. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Da die Stiftungsmittel nur persönlich in einer Schwangerschaftsberatungsstelle vor Ort beantragt werden müssen, kommt dabei notwendigerweise auch die Gesamtsituation der Frau und ihres Umfelds zur Sprache. Die erfahrenen Beraterinnen können darauf vertrauensvoll und fachgerecht eingehen und der Mutter maßgeschneiderte psychosoziale Beratung sowie weiterführende Hilfen vermitteln. Zusammen mit den Schwangerschaftsberatungsstellen weist die Stiftung den Weg in das Netz der "Frühen Hilfen" und vielfältige andere Unterstützungssysteme.

Inwieweit ist die Bundesstiftung Mutter und Kind Teil einer aktiven Lebenslaufpolitik?

Mit gezielter Unterstützung in kritischen Übergangsphasen im Lebenslauf wie sie die Bundesstiftung bietet, können wir typische Lebensrisiken von Frauen besonders gut und nachhaltig auffangen. Die Entscheidung für ein Kind hat immer langfristige Auswirkungen auf das Leben auch der werdenden Mutter und ist damit eine ganz besonders sensible Übergangsphase. Das gilt umso mehr, wenn sich die Betroffenen noch aus anderen Gründen in einer Umbruchphase befinden, wie z. B. beim Übergang von der Schule in eine Ausbildung oder von Ausbildung oder Studium in eine Erwerbstätigkeit, oder wenn die Partnerschaft während der Schwangerschaft zerbricht. Die Bundesstiftung setzt mit ihren Hilfen genau zu einem solchen kritischen, weichenstellenden Zeitpunkt an. Sie ist deshalb ein wirksames Instrument einer präventiven Politik der sozialen Inklusion sowie einer modernen Gleichstellungs- und Frauenpolitik.

Für 2011 bis 2013 ist eine bundesweite Evaluation der Stiftungsarbeit geplant. Welche Ziele werden mit der Evaluation verfolgt?

Mit der vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen Evaluation sollen die besonderen Erfolgsvoraussetzungen und die Wirkungsweise der Arbeit der Bundesstiftung systematisch untersucht werden, insbesondere das Zusammenspiel von finanziellen Hilfen und Infrastrukturangeboten, das europaweit einmalig und international vorbildlich ist. Wir möchten vor allem eine fundierte Datenbasis über die gewachsene Bedeutung der Stiftungsleistungen und deren Türöffnerfunktion in das System früher Hilfen erhalten. Unter den veränderten Herausforderungen der Beratungspraxis und angesichts oft komplexer Notsituationen Schwangerer erwarten wir für die Arbeit der Stiftung konkrete Handlungsempfehlungen wie z.B. zur Weiterentwicklung der Vergaberichtlinien.

Was erhoffen Sie sich für die zukünftige Arbeit der Bundesstiftung?

Die Bundesstiftung unterstützt jährlich etwa 150.000 schwangere Frauen in einer Notlage – eine enorme Zahl. Die zielgenaue Unterstützung in einer weichenstellenden Phase im Lebensverlauf kann nicht nur für das Leben der Betroffenen wegweisende, positive Impulse geben, sondern trägt langfristig auch dazu bei, die Sozialkassen zu entlasten. Ich wünsche der Bundesstiftung, den beteiligten Landesstiftungen und Trägern, allen Betroffenen und nicht zuletzt uns allen, dass diese gute Arbeit auf hohem Niveau weiter fortgeführt wird. Eine Herausforderung in der nächsten Zeit wird sicherlich darin bestehen, die Vergaberichtlinien so weiterzuentwickeln, dass sich möglichst noch passgenauere Unterstützungsangebote realisieren lassen. Mit der Verabschiedung des Bundeskinderschutzgesetzes und dem flächendeckenden Ausbau der frühen Hilfen wird die Bedeutung der Bundesstiftung als Wegbereiterin in das System früher Hilfen weiter steigen.

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Interview

Im Gespräch mit Gisela Deußing, Thüringer Stiftung HandinHand

Die Thüringer Stiftung HandinHand wendet sich an Schwangere, Mütter und Familien und unterstützt diese in finanziellen Notlagen. Wie beurteilen Sie diese gesellschaftliche und politische Herausforderung bezogen auf den Bund?

Kinder sind unsere Zukunft! Zu diesem Grundsatz, den ich für sehr wichtig halte und den ich sehr ernst nehme, müssen alle Mitglieder der Gesellschaft stehen – von der Bundesebene über die Länderverantwortlichkeit und die kommunale Zuständigkeit bis in die breite Öffentlichkeit. Nur so ist es möglich, diesen Grundsatz mit Leben zu erfüllen (im wahrsten Sinne des Wortes). Die Geburt eines Kindes gehört zwar zu den schönsten und wichtigsten Ereignissen im Leben einer Frau, einer Familie. Aber die damit verbundenen wirtschaftlichen Belastungen führen sehr oft zu finanziellen Schwierigkeiten, die eine Unterstützung erfordern. Zum Beispiel waren im Freistaat Thüringen für 28,7 Prozent der Geburten im Jahr 2011 Hilfen in dieser Situation notwendig. Durch die Bundesstiftung Mutter und Kind war es möglich, diese Unterstützung zu realisieren und die entstandenen schwierigen Situationen zu erleichtern oder zu beseitigen.

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Die Thüringer Stiftung HandinHand wendet sich an Schwangere, Mütter und Familien und unterstützt diese in finanziellen Notlagen. Wie beurteilen Sie diese gesellschaftliche und politische Herausforderung bezogen auf den Bund?

Kinder sind unsere Zukunft! Zu diesem Grundsatz, den ich für sehr wichtig halte und den ich sehr ernst nehme, müssen alle Mitglieder der Gesellschaft stehen – von der Bundesebene über die Länderverantwortlichkeit und die kommunale Zuständigkeit bis in die breite Öffentlichkeit. Nur so ist es möglich, diesen Grundsatz mit Leben zu erfüllen (im wahrsten Sinne des Wortes). Die Geburt eines Kindes gehört zwar zu den schönsten und wichtigsten Ereignissen im Leben einer Frau, einer Familie. Aber die damit verbundenen wirtschaftlichen Belastungen führen sehr oft zu finanziellen Schwierigkeiten, die eine Unterstützung erfordern. Zum Beispiel waren im Freistaat Thüringen für 28,7 Prozent der Geburten im Jahr 2011 Hilfen in dieser Situation notwendig. Durch die Bundesstiftung Mutter und Kind war es möglich, diese Unterstützung zu realisieren und die entstandenen schwierigen Situationen zu erleichtern oder zu beseitigen.

Für die werdenden Mütter ist aber nicht nur die finanzielle Hilfe wichtig, sondern auch das Gefühl „Ich bin nicht allein – hier ist jemand, der mir helfen kann.“ trägt oft schon wesentlich zur Entspannung der schwierigen Situationen bei. Die im Rahmen der Arbeit der Schwangerschaftsberatungsstellen und der eventuellen Beantragung von Stiftungsleistungen notwendige Feststellung der individuellen Situation ist Grundlage für die weitere Beratung und Betreuung der Schwangeren. Die Existenz der Bundesstiftung und ihrer Hilfemöglichkeiten bietet damit auch die Voraussetzung für eine vielfältige und umfassende Unterstützung und für die individuell notwendigen Förderungen: Unterstützung bei der Geltendmachung von Rechtsansprüchen auf soziale Leistungen, Vermittlung weiterführender Beratungsangebote, „Türöffnerfunktion“ in das System der Frühen Hilfen.

Die Arbeit der Bundesstiftung Mutter und Kind ist wichtig und unverzichtbar und kann durch ähnliche Institutionen auf Länder- oder kommunaler Ebene ergänzt werden. In unserem Bundesland ist dies mit der Thüringer Stiftung HandinHand gelungen, die parallel zu den Hilfen der Bundesstiftung Unterstützung gewähren – zum Beispiel bei der Beseitigung von Zahlungsrückständen – und vor allem Familien in schwierigen Situationen helfen kann. Im Mittelpunkt steht dabei jedoch immer die Verbesserung der Situation für die Kinder in der Familie.

Sind die Notlagen der Schwangeren heute anders als vor 20 Jahren? Welche Probleme stehen hierbei im Vordergrund und wie kann die Stiftungsarbeit helfen?

Die eigentliche Problemlage ist auch nicht anders als vor 20 Jahren. Es besteht eine Schwangerschaft und die Frauen und Familien sind mit den damit verbundenen Belastungen einfach überfordert, können das finanziell nicht bewältigen.

Die bestehenden Situationen der werdenden Mütter, zu denen dann noch die Schwangerschaft hinzukommt, haben sich aus meiner Sicht allerdings sehr verändert. Vor allem der Anteil der Schwangeren, die aufgrund einer Beschäftigung im Niedriglohnsektor mit den Vorbereitungen auf die Geburt eine besondere große Hürde zu bewältigen haben, hat zugenommen. Da hilft oftmals auch nicht die Möglichkeit der aufstockenden Leistungen nach SGB II, durch die dann auch eine Gewährung von Leistungen zur Babyausstattung möglich ist. Die damit verbundenen Auflagen für alle Familienmitglieder zur Beschaffung eines anderen, besser entlohnten Arbeitsplatzes, auch wenn sie zum Teil schon viele Jahre in dieser Tätigkeit beschäftigt sind, erscheinen unrealistisch und lösen Ängste bei den Betroffenen aus.

Festzustellen ist auch ein verändertes Verhalten bei der Wohnraumgestaltung, wenn sich ein weiteres Familienmitglied ankündigt. Waren die Schwangeren und Familien vor einigen Jahren noch schneller bereit, einen Wohnungswechsel vorzunehmen, denken sie jetzt häufiger über eine Veränderung und Umgestaltung der vorhandenen Wohnung nach, da Ängste bezüglich der künftigen Bezahlbarkeit der Miete bestehen. Die Bundesstiftung kann auch dabei mit finanziellen Hilfen zur Realisierung dieser Veränderungen beitragen.

Insgesamt fällt auf, dass mittlerweile in vielen Familien mehrere Problemlagen nebeneinander bestehen. Dies hat in den letzten Jahren sehr zugenommen. Kommt dann noch eine Schwangerschaft hinzu, kann das sehr schnell in eine für die Betroffenen ausweglos erscheinende Situation führen. Hier kommt vor allem den Schwangerschaftsberatungsstellen vor Ort eine hohe Verantwortung zu, in der jeweiligen Situation entscheidende Wege zu weisen, die Schwangeren entsprechend zu begleiten und auch gemeinsam mit der Stiftung und der werdenden Mutter wirksame Möglichkeiten der Unterstützung festzulegen.

Aus welchen Beweggründen haben Sie sich in der Arbeit der Bundesstiftung engagiert?

In meiner langjährigen Mitarbeit im Kuratorium der Bundesstiftung Mutter und Kind, aber auch bei den Arbeitstreffen der Zuwendungsempfänger war und ist es mein besonderes Anliegen, die unmittelbaren Probleme an der Basis, das heißt bei der Antragsbearbeitung und -entscheidung einzubringen. Dabei ist immer wieder die Vorrangigkeit aller anderen Leistungen, auch der gesetzlichen, im Verhältnis zu den Hilfen der Bundesstiftung anzusprechen. Vor allem im Bereich der Leistungen für Babyausstattung nach SGB II oder XII kommt es aufgrund der unterschiedlichsten Verfahrensweisen bei der Gewährung dieser Leistungen zu Situationen, die eine einzelfallgerechte, wirksame Hilfe durch Stiftungsmittel erschweren. Hier könnte eine eindeutigere und realistische Festlegung der gesetzlichen Leistungen enorme Entlastung vor allem für die werdende Mutter bieten.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber auch, die Vergabepraktiken in den Bundesländern in ihrer Unterschiedlichkeit und Vielfalt beizubehalten. Damit ist gesichert, dass die Erfahrungen vor Ort, sowohl in den Schwangerschaftsberatungsstellen als auch bei anderen beratenden und betreuenden Diensten unmittelbar in den Hilfeprozess einbezogen und bei der Vergabe der Stiftungsmittel berücksichtigt werden können.

Sie haben im vergangenen Jahr 20-jähriges Stiftungsjubiläum gefeiert. Die Neunzigerjahre waren speziell in Thüringen von gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt. Beispielsweise hat sich damals die Rechtslage in Bezug auf Schwangerschaftsabbrüche geändert. Hat sich dadurch auch die Stiftungsarbeit verändert?

Wie in allen neuen Bundesländern waren dies auch in Thüringen Jahre vieler Veränderungen. Die geänderte Rechtslage in Bezug auf die Schwangerschaftsabbrüche hat sicher die Beratungsansätze verändert. Auf die Stiftungsarbeit hatte dies jedoch keine unmittelbare Auswirkung. Im Verlauf der letzten 20 Jahre musste sich die Arbeit der Stiftung aber immer wieder auf geänderte gesetzliche Grundlagen einstellen, oftmals für die vorrangigen Leistungen. Dazu soll hier nur ein Beispiel angeführt werden – die Leistungen nach SGB II bzw. XII. Die Umstellung vom BSHG auf SGB II/ XII war für alle Beteiligten nicht einfach, viele Veränderungen waren zu beachten und umzusetzen, auch die Stiftungsarbeit betreffend. Die anfänglich positive Verfahrensweise, dass die Leistungen für die Betroffenen gebündelt an einer Stelle geklärt werden konnten, hat sich mittlerweile aber wieder dahin gehend geändert, dass zum Beispiel erst wieder Wohngeld geklärt werden muss, bevor die Entscheidung über das ALG II getroffen wird oder die Einführung des Kinderzuschlages, die manche Familien in wahre Odysseen stürzt.

Können Sie aus Ihrer persönlichen Erfahrung ein Beispiel für die erfolgreiche Unterstützung von jungen Frauen und Familien nennen?

Ein einzelnes Beispiel herauszugreifen, ist sehr schwierig. Sind es doch seit Bestehen der Thüringer Stiftung HandinHand mehr als 102.000 Schwangere, denen mit Stiftungsmitteln in der Vorbereitung auf die Geburt und das Leben mit ihrem Kind geholfen werden konnte. Die Antragstellungen spiegeln nach meinem Empfinden wider, wie unterschiedlich die Probleme des Lebensalltags sind und mit welchen Herausforderungen gerade werdende Mütter konfrontiert werden. Da ist es ganz wichtig, dass sie durch die Schwangerschaftsberatungsstellen und die Bundesstiftung Mutter und Kind Unterstützung und Hilfe erfahren können, letzteres eben auch in ganz praktischer Art und Weise durch direkte finanzielle Hilfen. Die zahlreichen Rückinformationen, oft auch mit einem Foto des neuen Familienmitglieds als kleines Dankeschön, zeigen die Notwendigkeit der gewährten Hilfen und bestätigen die getroffenen Entscheidungen.

Aber um ehrlich zu sein, gibt es natürlich einige Anträge, die mich schon berühren und auch mal für eine schlaflose Nacht gesorgt haben. Da ist zum Beispiel die junge Mutter, die während der Schwangerschaft stationär behandelt werden muss und nicht weiß, wer ihr älteres Kind in dieser Zeit betreuen kann bzw. wer die dafür erforderlichen Kosten übernimmt. Nachdem die Stiftung Hilfe zugesagt hatte, konnten plötzlich doch gesetzliche Leistungen dafür gewährt werden und die Stiftungsleistung wurde nicht mehr benötigt. Aber eine Hilfe für die werdende Mutter war es trotzdem – sie konnte sich erst einmal beruhigter auf den Krankenhausaufenthalt vorbereiten.

In Erinnerung geblieben ist mir auch ein Antrag aus den ersten Jahren meiner Tätigkeit bei der Stiftung – eine junge Frau mit ihrem Partner, der nicht der Vater des ungeborenen Kindes war, der aber zu ihr stand und mit ihr alle Probleme lösen wollte, denn die hatte der leibliche Vater des Kindes in Form von Schulden reichlich hinterlassen. Um die bestehende Situation umfassend zu verbessern, trafen sich alle Beteiligten in der Geschäftsstelle der Stiftung, auch einen Schuldnerberater konnten wir kurzfristig zur Mitarbeit gewinnen. Durch diese gute Zusammenarbeit und unter Einbeziehung der möglichen Hilfen aus der Landesstiftung konnte bis zur Geburt des Kindes die Situation weitgehend bereinigt und durch Vergleichszahlungen die Schuldentilgung in verträgliche Bahnen gelenkt werden. Auch die Mittel der Bundesstiftung waren eine wirksame Hilfe für das junge Paar.

Problematisch ist auch immer wieder die Situation schwangerer Studentinnen oder Auszubildenden. Hier kommt es oft zu Unstimmigkeiten bei der Gewährung gesetzlicher Leistungen, da die Entscheidung eines Amtes von der Klärung an einer anderen Stelle abhängig gemacht wird, die jungen Frauen aber damit keinerlei Hilfe zur Verfügung haben.
Und, und, und … 20 Jahre Stiftungsarbeit und über 102.000 werdende Mütter und ihre großen und kleinen – auch die lernt man kennen – Sorgen bewegen.

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Interview

Im Gespräch mit Johanna Huber, stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende

Sie wurden in diesem Jahr zur stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden der Bundesstiftung gewählt. Aus welchen Beweggründen engagieren Sie sich für die Bundesstiftung?

Die Bundesstiftung „Mutter und Kind“ ist aus meiner Sicht eine unverzichtbare Einrichtung im Rahmen des Lebensschutzkonzepts unserer Rechtsordnung und wegen ihres unbürokratischen Verfahrens ein tragender Pfeiler der sozialen Hilfen für Schwangere in Not. Beratung und Hilfe gehören zusammen. Die Schwangerenberatung kann nur dann glaubwürdig und effektiv sein, wenn sie auch über wirksame soziale Hilfen verfügt.

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Sie wurden in diesem Jahr zur stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden der Bundesstiftung gewählt. Aus welchen Beweggründen engagieren Sie sich für die Bundesstiftung?

Die Bundesstiftung „Mutter und Kind“ ist aus meiner Sicht eine unverzichtbare Einrichtung im Rahmen des Lebensschutzkonzepts unserer Rechtsordnung und wegen ihres unbürokratischen Verfahrens ein tragender Pfeiler der sozialen Hilfen für Schwangere in Not. Beratung und Hilfe gehören zusammen. Die Schwangerenberatung kann nur dann glaubwürdig und effektiv sein, wenn sie auch über wirksame soziale Hilfen verfügt.

Die Bundesstiftung Mutter und Kind konnte bei ihrer Errichtung 1984 bereits auf die Erfahrungen einiger Landeseinrichtungen und Wohlfahrtsverbände aufbauen. Dazu gehörte auch die bayerische Landesstiftung „Hilfe für Mutter und Kind“, die bereits im Jahre 1978 gegründet worden war. Nachdem ich seit meinem Dienstantritt im Bayerischen Familienministerium 1980 bei der bayerischen Landesstiftung verschiedene Funktionen und Aufgaben (Stiftungsvorstand, Stiftungsrätin, Zuständigkeit im Rahmen der Referats- und Abteilungsleitung) wahrgenommen hatte, freute ich mich seinerzeit sehr über die Berufung in das Kuratorium der Bundesstiftung.

Als Mitglied des Kuratoriums beraten Sie den Stiftungsrat bei der Erfüllung seiner Aufgaben. Welche Schwerpunkte setzen Sie persönlich bei Ihrer Arbeit im Kuratorium?

Eine der wichtigsten Aufgaben des Kuratoriums ist meines Erachtens die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Lebensrecht und das Schutzbedürfnis des ungeborenen Kindes. Wie das Bundesverfassungsgericht (BVerfG 28.5.1993) ausführt verpflichtet der Schutzauftrag den Staat, „den rechtlichen Schutzanspruch des ungeborenen Lebens im allgemeinen Bewusstsein zu erhalten und zu beleben“.

Daneben ist es unsere Aufgabe, die angemessene Behandlung der Ansprüche betroffener Frauen einzufordern und sicherzustellen. Es geht nicht an, dass Schwangere Probleme bei der Durchsetzung berechtigter gesetzlicher Ansprüche haben, die von der Praxis nicht selten in eine unzulässige Konkurrenz zu Leistungen der Bundesstiftung bzw. der Landesstiftungen gestellt werden.

In Deutschland gibt es rund 1.500 Schwangerenberatungsstellen. Welche Rolle spielt die „Bundesstiftung Mutter und Kind“?

Wie von den Beraterinnen immer wieder bestätigt wird, spielt die Bundesstiftung Mutter und Kind für die Akzeptanz der Beratung eine ganz wesentliche Rolle. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass Schwangerenberatung tatsächlich Lebensrettung bedeutet, weil sie die werdende Mutter in ihrer Entscheidungsnot erreicht und ihr mit Verständnis und vorbehaltloser Akzeptanz begegnet und zwar so, dass die Frau die angebotene Hilfe annehmen und über alles sprechen kann, was sie bedrückt. Nur wenn Hilfe - behutsam angeboten - akzeptiert wird, kann die Schwangere all ihre Kräfte mobilisieren, Angst und Enttäuschung überwinden und sich auf das Abenteuer Kind einlassen. Diese Leistung der Bundesstiftung ist inzwischen unstrittig und allgemein anerkannt, was vor dem Hintergrund der Diskussionen bei ihrer Einführung keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist. Hier kommt – das darf ich an dieser Stelle einfügen – der sensiblen und engagierten Arbeit der Beraterinnen in der Schwangerenberatung ein hohes Verdienst zu.

Die Bundesstiftung spricht davon, mit den Stiftungsgeldern werdenden Müttern Türen in die Strukturen der frühen Hilfen zu öffnen. Wie beurteilen Sie die Bedeutung dieser „Türöffnerfunktion“?

Die Türe der Schwangerenberatungsstelle – als die einzige Stelle, bei der ein Antrag auf Leistungen aus Mitteln der Bundesstiftung gestellt werden kann - ist auch die Türe zu den Frühen Hilfen. Denn die Beratungsstellen sind aufgrund der vielfältigen Berührungspunkte mit anderen Einrichtungen der Jugendhilfe und den Gesundheitsdiensten, die mit Säuglingen und Kleinkindern zu tun haben, gut vernetzt. In Bayern beteiligen sich die Schwangerenberatungsstellen z.B. an den „koordinierenden Kinderschutzstellen“ (kurz: „KoKis“), deren Ziel es ist, belastete Familien frühzeitig zu erreichen, zu unterstützen und Überforderungssituationen zu vermeiden. Selbstverständlich erfolgt dies mit dem Einverständnis der Beratenen.

Die Erfahrung zeigt, dass aufgrund der besonderen Vertrauenssituation und der Tatsache, dass sich die Frauen in der allgemeinen Schwangerenberatung freiwillig an die Beratungsstelle wenden, ein guter Zugang zu den Hilfesuchenden besteht und diese Form der Hilfe als Unterstützung und keinesfalls als Kontrolle oder Bevormundung gesehen wird. Es geht in erster Linie darum, von Anfang an die Potentiale und Kompetenzen von Eltern zu stärken und zwar möglichst bereits in der Phase der Schwangerschaft, um spezifischen Risiken zuvorzukommen und den gesunden Aufbau einer Eltern-Kind-Beziehung vorzubereiten. In diesem Zusammenhang wird die Antragstellung auf Bundesstiftungsmittel und die Möglichkeit zur finanziellen Entlastung verknüpft mit individueller, psychosozialer Beratung und infrastruktureller Unterstützung der werdenden Mutter.

Worin liegt aus Ihrer Sicht die gesellschaftliche Verantwortung der Bundesstiftung?

Die gesellschaftliche Verantwortung der Bundesstiftung hat eine ideelle und eine materielle Komponente: zum einen ist die Bundesstiftung berufen, in der Öffentlichkeit für den Schutz des Ungeborenen, der Schwangeren und der Familien einzutreten. Zum andern kann sie die Botschaft „die Entscheidung für ein Kind darf nicht an einer finanziellen Notlage scheitern“ besonders glaubwürdig transportieren und entsprechende familiäre Hilfen im Sinne des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG vom 28.3.1993) einfordern: „Die Bedeutung solcher Leistungen als Maßnahmen präventiven Lebensschutzes hat der Gesetzgeber in Rechnung zu stellen, wenn es erforderlich wird, staatliche Leistungen im Hinblick auf knappe Mittel zu überprüfen.“

Sie engagieren sich seit mehr als 30 Jahren für junge Mütter und Familien; heute leiten Sie die Abteilung „Familie und Jugend“ des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales. Können Sie aus Ihrer persönlichen Erfahrung ein Beispiel für die erfolgreiche staatliche Unterstützung von jungen Müttern und Familien nennen?

Die finanzielle Unterstützung von jungen Müttern und Familien erfolgt im ersten Lebensjahr des Kindes bekanntermaßen durch das Elterngeld des Bundes; Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen gewähren ihren Familien als Anschlussleistung ein „Landeserziehungsgeld“.

Darüber hinaus bieten viele Bundesländer Projekte für die praktische Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags mit einem Säugling an. Beispielhaft kann ich für Bayern die Projekte „Schreibabys“ und „Maja – Hebammen helfen Eltern“ nennen.

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Interview

Im Gespräch mit Norbert Bischoff, stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender

 

Sie wurden in diesem Jahr zum stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden der Bundesstiftung gewählt. Aus welchen Beweggründen engagieren Sie sich in der Bundesstiftung?

Für mich war es selbstverständlich, das Angebot zur Mitarbeit im Kuratorium der Bundesstiftung „Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens“ anzunehmen. Ich bin Vorsitzender der Landesstiftung „Familie in Not“ in Sachsen-Anhalt und kenne daher viele Einzelschicksale von Müttern und Vätern, die sich in schwierigen finanziellen und sozialen Situationen befinden. Der Einsatz für das werdende Leben und die Unterstützung der Familien in ihrer Erziehungs- und Betreuungsfunktion sind ein Gebot der Menschlichkeit.

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Sie wurden in diesem Jahr zum stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden der Bundesstiftung gewählt. Aus welchen Beweggründen engagieren Sie sich in der Bundesstiftung?

Für mich war es selbstverständlich, das Angebot zur Mitarbeit im Kuratorium der Bundesstiftung „Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Lebens“ anzunehmen. Ich bin Vorsitzender der Landesstiftung „Familie in Not“ in Sachsen-Anhalt und kenne daher viele Einzelschicksale von Müttern und Vätern, die sich in schwierigen finanziellen und sozialen Situationen befinden. Der Einsatz für das werdende Leben und die Unterstützung der Familien in ihrer Erziehungs- und Betreuungsfunktion sind ein Gebot der Menschlichkeit.

Als Mitglied des Kuratoriums beraten Sie den Stiftungsbeirat bei der Erfüllung seiner Aufgaben. Welche Schwerpunkte setzen Sie persönlich bei Ihrer Arbeit im Kuratorium?

Jede Hilfesuchende ist wichtig. Wenn Eltern erwerbslos sind oder kein die Existenz sicherndes Einkommen beziehen, dann ist die Gefahr der Verarmung akut. Hier muss Hilfe ansetzen. Zudem brauchen minderjährige Mütter, Familien mit behinderten Angehörigen sowie Mütter und Väter mit Migrationshintergrund besondere Unterstützung.

In Deutschland gibt es rund 1.500 Schwangerschaftsberatungsstellen. Welche Rolle spielt die Bundesstiftung Mutter und Kind?

Die Schwangerschaftsberatungsstellen leisten einen unverzichtbaren Beitrag für das werdende Leben. Sie sind zumeist erster Anlaufpunkt für Mütter und Väter in schwierigen Situationen. Über die Beratungsstellen werden auch Anträge auf Förderung durch die Bundesstiftung gestellt. Ne-ben der Unterstützung zur Linderung von materieller Not erfolgt auch Beratung in Erziehungs- und Partnerschaftsfragen.

Die Bundesstiftung spricht davon, mit den Stiftungsgeldern werdenden Müttern Türen in die Strukturen der frühen Hilfen zu öffnen. Wie beurteilen Sie die Bedeutung dieser „Türöffnerfunktion“?

Ja, diese „Türöffnerfunktion“ in das Hilfesystem und andere Unterstützungsleistungen ist da und sie ist ungeheuer wichtig. Frauen in Notlagen erhalten finanzielle Mittel. Damit wird ihnen die Möglichkeit eröffnet, sich trotz einer Notlage für das Kind zu entscheiden. Das ist eine Entschei-dung für das Leben. Daraus schöpfen nicht wenige junge Frauen auch neue Kraft und Zuversicht für die Gestaltung ihres eigenen Lebens.

Worin liegt aus Ihrer Sicht als studierter Theologe die gesellschaftliche Verantwortung der Bundesstiftung?

Nicht nur aus theologischen Gründen, sondern auch im Sinne der allgemeinen Menschenrechte gilt: Unterstützung für Menschen in Not dient der Wahrung der Menschenwürde. Familie bildet so etwas wie die Grundlage der Gesellschaft. Familie trägt Verantwortung für das Heranwachsen einer nächsten Generation und leistet einen unverzichtbaren Beitrag für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Im Umkehrschluss trägt die Gesellschaft Verantwortung für die Familie. Jeder Mensch hat ein Recht auf Würde, auf Unversehrtheit und auf Entfaltung seiner Fähigkeiten. Die Bundesstiftung leistet an dieser Stelle einen universellen Beitrag für die Ausgestaltung der Menschenrechte.

Die Bundesstiftung wendet sich besonders an schwangere Frauen. Wie beurteilen Sie die Herausforderung, Väter stärker und früher anzusprechen?

Natürlich sind auch Männer und Väter anzusprechen und in die Verantwortung zu nehmen. Aber ich sehe die Bundesstiftung hier durchaus auf dem Weg. Selbst wenn vorwiegend Frauen und Mütter angesprochen werden, um Unterstützung der Stiftung zu beziehen, so kommt diese doch vielfach auch den Männern und Vätern zugute. Gute 40 Prozent der Unterstützungsempfangen-den leben in einer ehelichen Gemeinschaft. Ich sehe es als ein hoffnungsvolles Zeichen, dass immer mehr Väter ihre familiäre Aufgabe auch in schwierigen Situationen annehmen und ihrer aktiven Verantwortung für Erziehung und Betreuung von Kindern nachkommen.

Sie waren bis 2010 Vorsitzender der Stiftung „Familie in Not – Sachsen-Anhalt“. Können Sie aus Ihrer persönlichen Erfahrung ein Beispiel für die erfolgreiche staatliche Unterstützung von jungen Müttern und Familien nennen?

Beispiele für die erfolgreiche Unterstützung der Stiftung gibt es auch in Sachsen-Anhalt unzähli-ge. Im Vorstand werden ja nur besonders schwierige Konstellationen besprochen. Im Durch-schnitt erreichen pro Jahr 250 bis 260 Anträge die Landesstiftung, etwa 40 bis 45 Prozent davon können auch berücksichtigt werden. Die finanziellen Hilfen reichen von 100 bis 1.200 Euro. Hilfen für Mehrkindgeburten, für minderjährige Mütter und für Menschen mit Behinderung halte ich für besonders wichtig. An dieser Stelle möchte ich mein Dankeschön an die Schwangerschaftsbera-tungsstellen ausdrücken, die diese wichtige Unterstützung engagiert begleiten.

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Interview

Im Gespräch mit Peter Hoffstadt, Mitglied des Stiftungsrats

Sie engagieren sich seit einigen Jahren im Stiftungsrat der Bundesstiftung Mutter und Kind. Welche Schwerpunkte setzen Sie persönlich bei Ihrer Arbeit in diesem Gremium?

Als Mitglied im Stiftungsrat ist mir die Weiterentwicklung und Absicherung der Bundesstiftung ein wichtiges Anliegen. Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, eine inhaltliche Brücke herzustellen zwischen den Schwangerschaftsberatungsstellen, mit ihren Anliegen bezogen auf die Verteilung der Mittel aus der Bundesstiftung und der Geschäftsstelle sowie den Mitgliedern des Stiftungsrat der Bundestiftung in Berlin.

Ich transportiere fachliche, inhaltliche und finanzielle Anliegen in beiden Richtungen wie z.B. die notwendige Anpassung der Förderung an die gestiegenen Lebenshaltungskosten, Umsetzung des Pfändungsschutzes der Bundesstiftungsmittel oder aber die Verbesserung der Situation von schwangeren SGB II-Empfängerinnen. Darüber hinaus bin ich gut vernetzt mit den anderen Landesstiftungen und -einrichtungen, sodass durch mich auch eine Art Interessensvertretung erfolgt.

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Sie engagieren sich seit einigen Jahren im Stiftungsrat der Bundesstiftung Mutter und Kind. Welche Schwerpunkte setzen Sie persönlich bei Ihrer Arbeit in diesem Gremium?

Als Mitglied im Stiftungsrat ist mir die Weiterentwicklung und Absicherung der Bundesstiftung ein wichtiges Anliegen. Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, eine inhaltliche Brücke herzustellen zwischen den Schwangerschaftsberatungsstellen, mit ihren Anliegen bezogen auf die Verteilung der Mittel aus der Bundesstiftung und der Geschäftsstelle sowie den Mitgliedern des Stiftungsrat der Bundestiftung in Berlin.

Ich transportiere fachliche, inhaltliche und finanzielle Anliegen in beiden Richtungen wie z.B. die notwendige Anpassung der Förderung an die gestiegenen Lebenshaltungskosten, Umsetzung des Pfändungsschutzes der Bundesstiftungsmittel oder aber die Verbesserung der Situation von schwangeren SGB II-Empfängerinnen. Darüber hinaus bin ich gut vernetzt mit den anderen Landesstiftungen und -einrichtungen, sodass durch mich auch eine Art Interessensvertretung erfolgt.

Im Bereich Ihres Bundeslandes sind Sie auch seit vielen Jahren verantwortlich tätig für die Bewilligung von Stiftungsmitteln. Welches sind aus Ihrer Sicht die besonderen Probleme der Schwangerschaftsberatungsstellen vor Ort?

Ich möchte Ihnen hierzu drei Themenbereiche kurz beschreiben:

Schwangere Frauen im SGB II Bezug
Mit Einführung des SGB II 2004 stiegen in den Beratungsstellen die Fälle, in denen schwangere Frauen erhebliche Schwierigkeiten aufgrund von SGB II Ansprüchen haben. Der Zuwendungsempfänger NRW hat gemeinsam mit den Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege 2010 hierzu eine systematische Abfrage in allen Beratungsstellen des Landes durchgeführt, mit erschreckenden Ergebnissen. So gab es bei ca. 75% der Fälle Schwierigkeiten, sei es bei den gesetzlich zustehenden Leistungsansprüchen oder/und wegen des respektlosen Umgangs mit den Schwangeren in den ARGEn (jetzt Jobcenter). Nur mit großem Interventionsaufwand der Beraterinnen (bis hin zur Unterstützung bei Klagen) konnten letztendlich in fast allen Fällen die gesetzlichen Ansprüche der Schwangeren durchgesetzt werden.

Bei einem gemeinsamen Fachtag aller Beratungsstellen aus NRW wurden Beispiele guter Kooperation zwischen Beratungsstellen und Jobcenter vorgestellt, die vorbildhaft für viele andere geworden sind. Außerdem konnte unsere Kooperation mit der Regionaldirektion und dem Sozialministerium verbessert werden, sodass wir insgesamt zwar von einem nachhaltigen Effekt der Aktion sprechen können - aber in der Fläche läuft das vor Ort noch längst nicht reibungslos. Wir setzen große Hoffnung auf die neu eingerichteten Beauftragten für Chancengleichheit in den Jobcentern, die sich auf Initiative der Bundesstiftung diesem Anliegen angenommen haben.

Kontopfändung
Leider ist es nicht gelungen, das Bundesjustizministerium davon zu überzeugen, die gesetzlich vor Pfändung geschützten Bundesstiftungsmittel im Rahmen der Reform des Kontopfändungsschutzes weiterhin als privilegiert einzustufen. Um die Mittel der Bundesstiftung wirksam zu schützen, muss jetzt ein erheblicher bürokratischer Aufwand von den Antragstellerinnen und deren Beraterinnen betrieben werden, um einen gerichtlich bestätigten Kontopfändungsschutz zu erreichen.

EU-Erweiterung
Durch die Osterweiterung der EU sind viele junge Frauen nach Deutschland gekommen, die Großteils unter schlechten Umständen hier leben und teilweise sogar zur Prostitution gezwungen werden. Die Schwangerschaftsberatungsstellen in großen Städten werden zunehmend mit diesem Personenkreis konfrontiert. Neben speziellen Ausländerrechtsfragen sind es besonders die Lebensumstände und Perspektivlosigkeit, die die Beraterinnen auch menschlich belasten.

Das sind nur drei Beispiele für die immer größer werdenden juristischen, fachlichen und administrativen Anforderungen an die Beraterinnen. Bei gleichbleibender Anzahl der Beratungskräfte und den zunehmend schwierigeren Beratungsfällen sind die notwendige individuelle Hilfe und Unterstützung der Schwangeren durch die Fachberaterinnen kaum noch leistbar. Diese Entwicklung ist bedauerlich und eigentlich nicht hinnehmbar.

Die Bundesstiftung wendet sich besonders an schwangere Frauen in einer Notlage - in Deutschland gibt es rund 1.500 Schwangerenberatungsstellen. Wie beurteilen Sie heute diese gesellschaftliche und politische Herausforderung?


Ich halte das flächendeckende Angebot von Schwangerschaftsberatungsstellen nach wie vor für sehr sinnvoll und notwendig, da die Frauen nicht selten bedingt durch die Schwangerschaft in eine Notlage kommen. Die werdenden Mütter haben oftmals große Probleme ihrer neuen Verantwortung selbstbewusst und kindgerecht zu begegnen.

Die Ausgangslage für die (neue) Familie ist beispielsweise durch eine wirtschaftliche Notsituation, durch eine labile und problematische Beziehung zum Kindesvater, oder/und durch einen nicht gesicherten Aufenthaltsstatus bestimmt. In NRW musste im Jahr 2010 jede 4,5te Schwangerschaft mit Bundesstiftungsmitteln unterstützt werden, das entspricht in etwa dem Bundesdurchschnitt. Ich persönlich empfinde diese hohe Anzahl alarmierend und sie ist sehr aussagekräftig über die Situation von Schwangeren in Deutschland.

Die Bundesstiftung spricht davon, mit den Stiftungsleistungen werdenden Müttern Türen in die Strukturen früher Hilfen zu öffnen. Wie sehen Sie diese „Türöffnerfunktion“ und die Rolle der Bundesstiftung?

Die finanzielle Unterstützung der Bundestiftung betrug in 2010 im Bund durchschnittlich 651 €, in NRW 597 €. Man kann sich sehr leicht vorstellen, dass diese materielle Unterstützung schnell durch die notwendigen Anschaffungen und Kosten, beispielsweise für die Einrichtung einer neuen Wohnung von Mutter und Kind, aufgebraucht ist. Allerdings führt die Aussicht auf eine finanzielle Unterstützung auch die Frauen in die Beratungsstellen, die sonst möglicherweise nicht kommen würden. Hier erfahren sie eine wertvolle Unterstützung.

Über die finanziellen Hilfen hinaus umfasst das Angebot zur Beratung die gesamte psychosoziale Situation und bezieht Fragen zur weiteren Lebensplanung, bestehender Beziehungskonflikte, gesundheitliche Aspekte und vieles mehr mit ein. Dabei können auch Verknüpfungen zu weiteren nachhaltigen Leistungen der örtlichen Netzwerke wie z.B.“Frühe Hilfen“ hergestellt werden. Durch die individuelle Beratung erhalten die Frauen Perspektiven zur Fortführung der Schwangerschaft und Ermutigung für die kommende Elternschaft. Durch diesen Zweiklang von finanzieller Hilfe und professioneller Beratung kann der Stiftungszweck “Schutz des ungeborenen Lebens“ wirksam erfüllt werden.

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Interview

Die ehemalige stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende Christel Riemann-Hanewinckel im Gespräch

Aus welchen Beweggründen haben Sie sich als stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende in der Bundesstiftung Mutter und Kind für Schwangere in Not engagiert?

Von 2002 bis 2005 war ich Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Im Zuge dieser Tätigkeit übernahm ich auch die Aufgabe der stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden der Bundesstiftung Mutter und Kind, um zusammen mit anderen Kuratoriumsmitgliedern den Stiftungsrat zu beraten, ihn bei der Erfüllung seiner Aufgaben zu unterstützen und mich für Verbesserungen einzusetzen.

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Aus welchen Beweggründen haben Sie sich als stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende in der Bundesstiftung Mutter und Kind für Schwangere in Not engagiert?

Von 2002 bis 2005 war ich Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Im Zuge dieser Tätigkeit übernahm ich auch die Aufgabe der stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden der Bundesstiftung Mutter und Kind, um zusammen mit anderen Kuratoriumsmitgliedern den Stiftungsrat zu beraten, ihn bei der Erfüllung seiner Aufgaben zu unterstützen und mich für Verbesserungen einzusetzen.

Als Mitglied des Kuratoriums beraten Sie den Stiftungsrat bei der Erfüllung seiner Aufgaben. Welche Schwerpunkte haben Sie persönlich als Vertreterin des Deutschen Bundestages bei Ihrer Arbeit im Kuratorium gesetzt?

Als Kuratoriumsmitglied war mir die gerechte Verteilung der Mittel wichtig. In unserem Land gibt es reichere und weniger wohlhabende Bundesländer. Wer in einem der weniger wohlhabenden Bundesländer schwanger wird und Hilfe benötigt, hat, aufgrund der nach einem Bevölkerungsschlüssel verteilten Gelder eine geringere Chance auf die ohnehin begrenzten Stiftungsgelder. Die Vergabepraxis konnte allerdings dahingehend optimiert werden, dass die Stadtstaaten und neuen Bundesländer zum Ausgleich ihrer schwächeren wirtschaftlichen Situation einen Vorabzuschlag in Höhe von 6 Prozent der Gesamtzuwendung erhalten.

Können Sie ein Beispiel für die erfolgreiche Arbeit der Bundesstiftung bzw. der Landeseinrichtungen nennen?

Ein großer Schritt war sicherlich die Einführung der Sozialdatenstatistik im Jahr 2000. Damit werden alle Anträge und wichtige, zugrunde liegende Kriterien bei der Gewährung von finanziellen Mitteln registriert. Die oben angesprochene Verteilungsproblematik und die länderspezifischen Unterschiede sind dadurch erst deutlich geworden.

In Deutschland gibt es rund 1.500 Schwangerschaftsberatungsstellen. Welche Rolle spielt die „Bundesstiftung Mutter und Kind“?

Für werdende Eltern oder Mütter, die vor, während oder nach einer Schwangerschaft Fragen, Probleme oder Konflikte haben, ist eine Schwangerschaftsberatungsstelle genau der richtige Ort. Sie haben einen Rechtsanspruch auf Beratung und erhalten die Vermittlung von weiteren Hilfsangeboten. Die finanzielle Zuwendung für eine Schwangere in einer Notsituation gibt es aus den Mitteln der Bundesstiftung. Diese einmalige finanzielle Zuwendung ist für sich betrachtet aber alleine nicht ausreichend, einen grundsätzlichen Schwangerschafts-Konflikt zu lösen. Denn viele Frauen haben hauptsächlich Probleme mit dem Partner oder der Arbeitssituation. Zudem sehen die meisten Träger vor, dass die finanziellen Mittel bis zur 20. Schwangerschaftswoche beantragt werden müssen. Das setzt die schwangere Frau noch zusätzlich unter Druck.

Die Bundesstiftung wendet sich besonders an schwangere Frauen. Wie beurteilen Sie die Herausforderung, Väter stärker und früher anzusprechen?

Geschlechterspezifische Stereotype aufzubrechen ist noch immer eine Herausforderung, der wir uns tagtäglich stellen müssen. Durch das Schwangerschaftskonfliktgesetz haben Frauen wie Männer gleichermaßen einen gesetzlichen Anspruch auf eine umfassende Beratung, unabhängig davon, ob das Paar verheiratet ist. Die Bundstiftung sollte auch die Väter mehr einbeziehen, was durch Veränderung des Stiftungsnamens deutlich werden sollte.

Die Bundesstiftung spricht davon, mit den Stiftungsgeldern den werdenden Müttern Türen in die Strukturen der frühen Hilfen zu öffnen. Wie wird die Bundesstiftung dieser Türöffnerfunktion gerecht?

Dass eine finanzielle Zuwendung in schwieriger Lage hilfreich sein kann, steht außer Frage, denn für die Gründung einer Familie spielt Geld zumeist eine wichtige Rolle. Ich halte daher die Aufgabe der Bundesstiftung, werdenden Müttern finanziell unter die Arme zu greifen, für gut und richtig. Aber, wichtig sind Rechtsansprüche für Familien, auf die sich Mütter und Väter für die kommenden zwei Jahrzehnte der Kindererziehung verlassen können. Dazu gehört eine ausreichende Infrastruktur der Kinderbetreuung von Anfang an und finanzielle Sicherheit, vor allem bei der Gründung einer Familie, wie beispielsweise das Elterngeld, auch für Empfängerinnen von SGB II. Von einer wirksamen „Türöffnerfunktion“ kann erst gesprochen werden, wenn kurzfristige, langfristige und einmalige Hilfestellungen verlässlich ineinander greifen.

Worin liegt aus Ihrer Sicht die gesellschaftliche Verantwortung der Bundesstiftung?

Die Bundesstiftung für Mutter und Kind hilft in Schwangerschaftskonfliktsituationen und kann durch den Anreiz einer finanziellen Zuwendung in Kombination mit weitergehenden Hilfestellungen in Bezug auf andere Leistungs- und Beratungsangebote der Schwangeren eine sehr individuell angepasste Unterstützung geben. Nach meinem Verständnis sollte die Arbeit der Bundesstiftung auch grundlegend auf veränderte Notsituationen hinweisen, aus denen Gesetzesentwürfe und -vorhaben resultieren können. Gute Familienpolitik in Deutschland ist eine fortwährende Aufgabe, damit alle Kinder, unabhängig von der finanziellen Situation der Eltern, gleiche Chancen zum Aufwachsen haben.

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Interview

Josef Hecken, Stiftungsratsvorsitzender bis 2012, im Gespräch

 

In Deutschland gibt es rund 1.500 Schwangerschaftsberatungs-stellen. Welche Rolle spielt die „Bundesstiftung Mutter und Kind“? Ist sie der „Knoten im Netz“?

Durch das flächendeckende Netz der Schwangerschaftsberatungsstellen ist eine schnelle und individuelle Hilfe sichergestellt. Die Bundesstiftung bietet über die Schwangerschaftsberatungsstellen schwangeren Frauen in Not konkrete finanzielle Hilfe – in Euro und Cent – und psychosoziale Beratung an. Unser Ziel ist es, diesen Frauen die Fortsetzung der Schwangerschaft zu erleichtern. Im Jahr 2009 konnten rund 150.000 schwangere Frauen in einer Notlage mit durchschnittlich 649 Euro unterstützt werden; das ist etwa jede fünfte Schwangere. Vermutlich nie wieder in ihrem Leben ist eine Frau in einer körperlich und emotional extremeren Situation als während einer Schwangerschaft. Nichts ist für die Betroffene schlimmer, als ausgerechnet dann allein gelassen zu werden, finanzielle Not zu leiden und ohne Perspektive zu sein. Hier setzt die Bundesstiftung an.

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In Deutschland gibt es rund 1.500 Schwangerschaftsberatungs-stellen. Welche Rolle spielt die „Bundesstiftung Mutter und Kind“? Ist sie der „Knoten im Netz“?

Durch das flächendeckende Netz der Schwangerschaftsberatungsstellen ist eine schnelle und individuelle Hilfe sichergestellt. Die Bundesstiftung bietet über die Schwangerschaftsberatungsstellen schwangeren Frauen in Not konkrete finanzielle Hilfe – in Euro und Cent – und psychosoziale Beratung an. Unser Ziel ist es, diesen Frauen die Fortsetzung der Schwangerschaft zu erleichtern. Im Jahr 2009 konnten rund 150.000 schwangere Frauen in einer Notlage mit durchschnittlich 649 Euro unterstützt werden; das ist etwa jede fünfte Schwangere. Vermutlich nie wieder in ihrem Leben ist eine Frau in einer körperlich und emotional extremeren Situation als während einer Schwangerschaft. Nichts ist für die Betroffene schlimmer, als ausgerechnet dann allein gelassen zu werden, finanzielle Not zu leiden und ohne Perspektive zu sein. Hier setzt die Bundesstiftung an.

Aus welchen Beweggründen engagieren Sie sich in der Bundesstiftung?

Als neuer Vorsitzender des Stiftungsrats freue ich mich, die Arbeit der Stiftung künftig mitgestalten und begleiten zu können. Ich finde, dass es sich in einer Gesellschaft der Mitmenschlichkeit gehört, die schwächste Form des menschlichen Lebens – das ungeborene Leben – besonders zu schützen. Und man muss weiter denken. Denn wird eine Schwangerschaft von Anfang an nur als Last und Bürde empfunden, kann das auch nach der Geburt die Beziehung zwischen Mutter und Kind beeinträchtigen.

Die Bundesstiftung spricht davon, mit den Stiftungsgeldern den werdenden Müttern Türen in die Strukturen der frühen Hilfen zu öffnen. Wie funktioniert diese Türöffnerfunktion genau?

Wird der Antrag auf finanzielle Hilfe in einer Schwangerschaftsberatungsstelle noch vor der Entbindung gestellt, ist der schwangeren Frau zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Weg in eine Beratungsstelle geebnet. So werden Hilfen aufgezeigt, die über den finanziellen Beitrag der Bundesstiftung weit hinausgehen. Mit dieser „Türöffnerfunktion" verknüpft die Bundesstiftung die Unterstützungssysteme in das System früher Hilfen als Beitrag zum präventiven Kinderschutz.

Worin liegt aus Ihrer Sicht die gesellschaftliche Verantwortung der Bundesstiftung?

Die Bundesstiftung leistet seit über 25 Jahren ergänzende finanzielle Hilfe für schwangere Frauen in Not. Sie ist ein besonders geeignetes Instrument, um werdenden Müttern trotz vorhandener Konfliktsituation durch schnelle und unbürokratische Hilfen die Fortsetzung der Schwangerschaft zu erleichtern. Die Stiftung schließt die Lücke, wenn im Rahmen der Geburt eines Kindes die staatlichen Unterstützungsleistungen für Familien noch nicht greifen.

Die Bundesstiftung wendet sich besonders an schwangere Frauen. Wie beurteilen Sie die Herausforderung, Väter stärker und früher anzusprechen?

Die Rolle der Väter als frühe Helfer und als aktive Partner ist nicht zu unterschätzen, deshalb sollten auch Männer systematisch mit angesprochen werden.

Können Sie aus Ihrem persönlichen Engagement und Mitwirken ein Beispiel für die erfolgreiche Arbeit der Bundesstiftung bzw. der Landeseinrichtungen schildern?

Anfang 2010 stellte sich die Bundesstiftung bei einer Peer-Review-Veranstaltung in Berlin Expertinnen und Experten aus Europa und der Europäischen Kommission als Best-Practice-Beispiel für Schwangerschaftshilfe in Notlagen vor. Der internationale Austausch ergab, dass besonders der sehr frühe Ansatz der Unterstützungs- und Hilfeleistungen eine außergewöhnliche Vorgehensweise auch im Verhältnis zu den Leistungen anderer Länder ist.

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